Singende Frauen im Hausflur
Am letzten Freitag hatten die Nachbarn im zweiten Stock ein seltsames Erlebnis. Gegen drei Uhr morgens, so erzählte mir Dani am folgenden Tag, seien sie von lauten Geräuschen im Hausflur aufgewacht. Jose, ihr Mann, habe vor der Tür nach dem Rechten gesehen, aber zunächst nur zwei offenbar betrunkene Frauen gehört, die im Erdgeschoss irgendwelche Lieder sangen. Kurze Zeit später sei ich, mit einem Hamburger in der Hand, an ihm vorbeigelaufen. Danach hätte er sich wieder ins Bett begeben und ihr das Erlebte berichtet. Nachdem die beiden sich noch ein wenig über den Vorfall gewundert hätten, seien sie wieder eingeschlafen.
Tatsächlich bin ich in dieser Nacht an Jose vorbeigelaufen, der mein kurzes “Hallo” auch schlaftrunken erwiderte. In der Hand hatte ich aber keinen Hamburger, sondern die Geldbörse und den Mutterpass meiner schwangeren Frau, die mit der Hebamme schon zum Auto vorausgegangen war und unterwegs zweimal Wehen hatte. Um ein Uhr hatten sie eingesetzt, um zwei Uhr weckte sie mich, um viertel vor drei kam – nach dem dritten Anruf und nachdem sie vorher immer beschwichtigt hatte (“nimm doch noch ein Bad”) – endlich die Hebamme, kurz nach drei waren wir im Geburtshaus, und um vierzehn Minuten nach drei war unser zweiter Sohn geboren.
